Aus Solarstrom, der sonst für wenige Cent ins Netz wandert, wird Ladestrom fürs Auto. Diese Seite erklärt, wie der Überschuss berechnet wird, wo die technischen Grenzen liegen und was optimiertes Laden zusätzlich herausholt.
Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt tagsüber meist mehr Strom, als im Haus gerade gebraucht wird. Die Differenz zwischen Erzeugung und Hausverbrauch ist der Überschuss. Ohne Steuerung wird er eingespeist – bei Neuanlagen zu einer Vergütung, die deutlich unter dem Bezugspreis liegt. Genau diese Lücke macht Überschussladen wirtschaftlich: Jede selbst geladene Kilowattstunde spart den vollen Bezugspreis, statt nur die Einspeisevergütung einzubringen.
Die Rechnung dahinter
Überschuss = PV-Erzeugung − Hausverbrauch − Ladeleistung des Batteriespeichers
Der Solarmanager liest diese Werte sekündlich am Wechselrichter beziehungsweise am Smart Meter aus und rechnet daraus fortlaufend die Leistung, die eine Wallbox oder ein anderer Verbraucher gerade abnehmen darf.
Wichtig ist der Messpunkt: Gemessen wird am Netzübergabepunkt, nicht am Wechselrichter allein. Nur so fließen auch Verbraucher ein, die sich nicht melden – Kühlschrank, Wärmepumpe, Herd. Schaltet im Haus ein großer Verbraucher zu, sinkt der verfügbare Überschuss sofort und die Ladeleistung wird nachgeregelt, statt Strom aus dem Netz zu ziehen.
Überschussladen scheitert in der Praxis selten an der Software, sondern an drei physikalischen Randbedingungen. Wer sie kennt, richtet die Anlage von Anfang an realistisch ein.
Der Ladestandard erlaubt kein Laden unter 6 A. Einphasig sind das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW. Weniger Überschuss lässt sich nicht ins Auto bringen.
Wallboxen, die zwischen ein- und dreiphasigem Laden wechseln können, decken einen viel größeren Leistungsbereich ab – von 1,4 kW bis 11 kW statt erst ab 4,1 kW.
Ohne Verzögerung würde der Ladevorgang bei jeder Wolke abbrechen. Start- und Stoppschwellen mit Mindestlaufzeit halten das Laden stabil.
Nicht jedes Fahrzeug verträgt beliebig viele Ladeunterbrechungen, und häufiges Umschalten zwischen ein- und dreiphasig belastet Schütze. Deshalb regelt der Solarmanager bewusst träge: Er glättet die Messwerte, hält Mindestlaufzeiten ein und schaltet die Phasenzahl nur um, wenn sich der Überschuss nachhaltig geändert hat – nicht bei jeder Schwankung.
Reines Überschussladen ist reaktiv – es nutzt, was gerade da ist. Das genügt an einem sonnigen Samstag, scheitert aber an dem Fall, der im Alltag häufiger ist: Das Auto muss morgens um sieben mit ausreichender Reichweite in der Einfahrt stehen, und heute ist es bedeckt.
Optimiertes Laden löst das mit einem Ladeplan statt einer Momentanentscheidung. In die Planung fließen ein:
Wer nachvollziehen will, was die Planung vorhat, kann sie sich vorher ansehen: Die Ladesimulation stellt den geplanten Ladeverlauf der Prognose und später den Ist-Daten gegenüber. Abweichungen werden so sichtbar, bevor sie zum Problem werden.
Entscheidend ist eine Steuerschnittstelle. Der Solarmanager nutzt bevorzugt lokale Wege im eigenen Netz, damit die Regelung auch bei Internetausfall weiterläuft.
| Anbindung | Wallboxen | Ort |
|---|---|---|
| Lokale HTTP-API | go-e Charger | lokal |
| OCPP 1.6 | Vestel, ABL, Webasto, Mennekes u. a. | lokal |
| SunSpec / Modbus TCP | Wallboxen mit Modbus-Schnittstelle | lokal |
| UDP | Keba KeContact | lokal |
| WebSocket | Fronius Wattpilot | lokal |
| Modbus | Mennekes, Webasto, Hardy Barth, Heidelberg | lokal |
| Cloud-API | Easee | Cloud |
Für maximale Herstellerunabhängigkeit ist OCPP 1.6 die beste Wahl – der Solarmanager arbeitet dabei selbst als OCPP-Backend im lokalen Netz. Alle Einrichtungsschritte je Gerät stehen unter unterstützte Wallboxen.
Eine Typ-2-Wallbox kann nach Norm nicht beliebig weit herunterregeln: Der kleinste Ladestrom liegt bei 6 A. Einphasig entspricht das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW. Erst wenn so viel Überschuss dauerhaft zur Verfügung steht, ist ein Ladevorgang sinnvoll. Der Solarmanager wartet deshalb, bis der Überschuss die eingestellte Startschwelle für eine Mindestdauer überschreitet, und vermeidet damit ein ständiges Ein- und Ausschalten bei wechselnder Bewölkung.
Reines Überschussladen ist rein reaktiv: Es wird genau so viel geladen, wie gerade übrig ist. Optimiertes Laden plant zusätzlich voraus. Es berücksichtigt die PV-Prognose für den restlichen Tag, den gewünschten Ladestand und die Abfahrtszeit – und falls ein dynamischer Tarif konfiguriert ist, auch die Börsenpreise. So wird das Auto rechtzeitig voll und nutzt trotzdem den größtmöglichen Solaranteil.
Nein. Überschussladen funktioniert auch ohne Speicher – das Fahrzeug übernimmt dann selbst die Rolle des flexiblen Verbrauchers. Ist ein Speicher vorhanden, entsteht allerdings ein Zielkonflikt: Speicher und Wallbox wollen denselben Überschuss. Deshalb lässt sich im Solarmanager über eine Prioritätenliste festlegen, welcher Verbraucher zuerst bedient wird und ab welchem Ladestand der Speicher zurücksteht.
In vielen Fällen ja. Entscheidend ist, ob die Wallbox von außen steuerbar ist – über eine lokale HTTP-API wie beim go-e Charger, über OCPP 1.6, über Modbus TCP beziehungsweise SunSpec oder über eine Hersteller-Schnittstelle. Wallboxen ohne jede Steuerschnittstelle lassen sich nicht regeln, hier hilft nur ein Austausch. Ein zusätzliches Steuergerät des Herstellers ist beim Solarmanager nicht nötig.
Der Solarmanager ist kostenlos und läuft auf einem Raspberry Pi oder in Docker – komplett lokal, ohne Abo.